Das Burn-Out Syndrom

Dr.med. Andres Bircher
1974 schrieb Herbert Freudenberger einen Artikel mit dem Titel „staff burn-out“. Es ging um den Zustand des Personals einer Privatklinik. Damit hielt dieser Zustand als neues Syndrom Einzug in die medizinische Wissenschaft.

Seiter hat dieses Phänomen  um sich gegriffen und ist heute in aller Munde. Viele Menschen fühlen sich „ausgebrannt“.  Da das „Burn-out-Syndrom“ aber als Diagnose noch nicht anerkannt ist, ist seine Häufigkeit unbekannt. Immerhin schätzten Experten der EU den jährlichen finanziellen Verlust durch Arbeitsausfälle und Behandlungskosten auf 20 Milliarden Euros. Heute versucht man das „Ausgebranntsein“ möglichst früh zu erkennen und die Betroffenen und ihre Firmen wirksam zu beraten, um das Schlimmste zu verhüten. Oft sind Ungerechtigkeiten und Mobbing entscheidende Auslöser oder aber für den Arbeitnehmer sinnloses monotones Arbeiten unter Stress („bore-out Syndrom“). Die diagnostischen Kriterien sind nicht einheitlich. Beobachtet man die Patienten genau, so erkennt man drei Stadien:

1) Wegen anhaltender Überforderung gönnt man sich keine Zeit mehr für sich selbst. Man versucht den Mangel an Erfolg und Anerkennung durch übermenschlichen Arbeitseinsatz zu kompensieren. Man gönnt sich keine Erholung und vernachlässigt Familie und Freunde. In ständiger Unruhe und Überaktivität wird man hochempfindlich gegen jegliches Versagen anderer, gegen Kritik und eigenen Misserfolg und verträgt normale Unpässlichkeiten anderer nicht mehr. In nervöser Erschöpfung greift man zu Kaffee, „Energy-Drinks“, „Fast-food“ und Alkohol und in den Chefetagen zu Kokain, um durch chemisch erzeugte Selbstüberschätzung und Kritiklosigkeit seinen wahren Zustand zu verbergen. Doch in schlaflosen Nächten holt uns die Realität ein. Von Angst und Bitterkeit erfasst, greift man zu Schlafmitteln und Psychopharmaka und wird anfällig für Süchte.

2) Im zweiten Stadium mehren sich Denkfehler, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Es kommt zu Fehlentscheiden. Für die man gar zu leicht andere beschuldigt. Dadurch erntet man erst recht Unverständnis und Ablehnung. Mehr und mehr gerät man in Verbitterung und Isolation. Durch das ständige Ankämpfen gegen sein eigenes Versagen geschwächt, setzt man alles daran, seine Fehler zu verbergen.

3) Im dritten Stadium bricht jegliche Hoffnung und Kraft zusammen. Von bitteren Gedanken beherrscht, ergreifen uns die düsteren Nebel der Melancholie. Suizidgedanken drängen sich auf. Die Schwäche ist nun so weit in Geist, Seele ung Körper eingedrungen, dass das Immunsystem versagt. Dadurch entsteht grosse Gefahr, an schwersten Krankheiten und Krebs zu erkranken.

Das Burn-out Syndrom widerspiegelt den Zustand unserer Gesellschaft. Bis in die untersten Schulklassen ist das neodarwinistische „Denken“ von Konkurrenz und Selektion eingedrungen. Reflektorisches Training partieller Fähigkeiten und Teilwissen haben die grosse, humanistische Allgemeinbildung abgelöst, die überblickendes, synthetisches Denken, Mitgefühl und vernünftiges Entscheiden ermöglichen würde.

Die frühen Zeichen des ersten Stadiums dürfen keinesfalls bagatellisiert werden. Man muss sofort handeln. Arbeitsstellen an denen Ungerechtigkeiten und Mobbing an der Tagesordnung sind, müssen unverzüglich verlassen werden, um irreparablen seelischen Schaden zu vermeiden. Es ist wichtig, sich sofort an einen sachkundigen Arzt zu wenden und die Zeit der Freistellung für eine intensive therapeutische Aufarbeitung zu nutzen. Oft entdeckt man dabei, dass man falschen Zielsetzungen nachgelebt hat, um Erwartungen der Eltern, der Gesellschaft oder der eigenen Familie zu erfüllen, Neu stellt sich die Frage nach dem Lebenssinn. Während dieser Gesprächstherapie führen wir diätetische Massnahmen und eine intensive antioxydative Infusionstherapie durch, um die Mitochondrien und dadurch die Zellenergie und die Immunkompetenz unverzüglich wieder aufzubauen und den Ausbruch schwerer Krankheiten zu verhindern. Eine Therapie, die sich lohnt.               

Tipp:
planen Sie täglich eine Stunde für sich ganz allein, notieren Sie in ein Tagebuch, wie Sie sich fühlen, was Sie bewegt, wer welche Erwartungen an sie stellt, was Sie selbst von sich erwarten und wie es um Ihre Familie und Ihre Mitarbeiter steht. Erstellen Sie eine Familienagenda, in der Sie planen, wann Sie ausschliesslich für Ihre Frau (Ihren Mann) da sind und wann für Ihre Kinder.

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