Gesunde Augen eine Leben lang

Dr. med. Andres Bircher
Unsere Augen sind ein Meisterwerk der Natur, das Sehen unser wertvollstes Gut. In einem winzigen Bläschen entsteht der Linsenkern. Darüber bildet sich die Linsenkapsel.  Zeitlebens lagern sich neue Zellen um den Kern und wandeln sich in zarte, unsichtbare Fasern um, die transparente Proteine bilden, immer neue, die sich wie ganz feine unsichtbare Zwiebelschalen um die alten herum lagern.

An feinsten Fasern ist die Linse im Ziliarkörper ausgespannt.  Aus feinstem Bindegewebe gebildet erzeugt er das Kammerwasser. Seine ganz feinen Muskelfasern spannen die Linse unterschiedlich stark an und ermöglicht so das Nahsehen (Akkomodation). Werden wir älter, wird die Linse trockener, wir verlieren an Akkomodationskraft (Alterssichtigkeit). Zwischen der Linse und der wunderschönen Regenbogenhaut (Iris) fliesst das Kammerwasser nach vorn hinter die Hornhaut (Vordere Augenkammer). Von dort wird es durch ganz zartes Bindegewebe an der Grenze zur Regenbogenhaut (Kammerwinkel) in feinste Blutgefässe rückresorbiert.

Der Hohlraum des Auges hinter der Linse ist vom gallertigen Glaskörper ausgefüllt, der zu 98% aus Wasser besteht, an Hyaluronsäure und feinste Kollagenfasern gebunden. Die so genannte Blut-Augenschranke verhindert, dass bei der laufenden Erneuerung des Glaskörpers und der Bildung des Kammerwassers Stoffwechselschlacken und Toxine eindringen, welche das Auge trüben würden. Auch die Netzhaut (Retina) ist ein wahres Meisterwerk, aus Nervenzellen des Gehirns gebildet und von feinsten Blutgefässen ernährt. Hier wandeln zu Sehzellen spezialisierte Neurone Lichtwellen in Nervenimpulse um, die über die Sehbahnen zum Grosshirn gelangen, das sie zum Bild zusammenfügt.

Kein Wunder, ist dies alles empfindlich. Stoffwechselschlacken, Toxine, freie Radikale, die durch den oxydativen Stress der allgemein verbreiteten Fehlernährung entstehen, cortisonhaltige Medikamente, Alkohol und Zigarettentoxine schädigen die Blut-Augenschranke, das zarte Bindegewebe des Kammerwinkels, welches das Kammerwasser rückresorbiert, die stets sich erneuernden Aussenschichten der Linse und das zarte Bindegewebe der Glia der Netzhaut, bis diese schliesslich an der empfindlichsten Stelle des Scharfsehens degeneriert (Maculadegeneration), bis die Linse sich eintrübt (Katarakt, grauer Star) oder das Kammerwasser nicht mehr rückresorbiert werde kann (erhöhter Augendruck, Glaukom).

In der Tat füllen die degenerativen Augenleiden die Wartezimmer der Augenärzte immer mehr. Jedes Jahr werden in Deutschland 650‘000 künstliche Linsen eingesetzt. Das Glaukom ist nach dem Diabetes die zweithäufigste und die Makuladegeneration die dritthäufigste Ursache von Erblindung. Ihr Ausgangpunkt ist nicht das Nervengewebe, sondern eine Einlagerung von Lipofuszin ins zarte Bindegewebe, die zum Absterben der Sehzellen führt. Jeder hundertste Deutsche leidet an erhöhtem Kammerdruck. Glaukome werden leicht übersehen, denn zu 40% entstehen sie bei normalem Augendruck und sind nur durch die Augenspiegelung erkennbar.

Inzwischen hat die medizinische Forschung die Schutzwirkung der Karotinoide Lutein, und Zeaxanthin erkannt. die WHO empfiehlt denn auch neu vegetabile Frischkost zur Verhütung degenerativer Augenleiden. Die grosse Schutzwirkung einer Ernährung mit viel  Obst und Frischgemüsen mit ihrem hohen Gehalt an antioxydativen Nährstoffen, an Folsäure, den Vitaminen A, B, C, E., an mehrfach ungesättigten pflanzlichen Omega-3- Fettsäuren und vor Degeneration schützenden sekundären Pflanzenstoffen ist erkannt worden. Stärkste Risikofaktoren sind Rauchen, Alkohol, Fleisch, tierisches Fett, Bewegungsmangel, Übergewicht und die Zuckerkrankheit. Die degenerativen Augenleiden können zuverlässig verhütet, Glaukom und Makuladegeneration im Frühstadium diätetisch geheilt werden: Ein Weg, der sich lohnt.

Tipp:
Schauen Sie nicht ins pralle Sonnenlicht, schützen Sie die Augen mit einer guten Sonnenbrille und bei Arbeiten mit heissen Materialien mit einer Arbeitsbrille. Bedecken Sie den Kopf beim Sonnenbad und Wandern.

Handbuch 4 | Ordnungsgesetze

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