Hypotonie

Dr.med. Andres Bircher
„Mühselig schleppe ich mich dahin, mit blassem Gesicht und kühlen, frierenden Händen;  und will ich aufstehen, so wird mir schwindlig, manchmal gar schwarz vor den Augen. Appetitlos sitze ich beim Frühstück. Noch einmal lege ich mich hin. Alles schläft, mein Magen, mein Kopf, mein ganzer Körper.

Dann nehme ich einen schwarzen Kaffe und bewege mich unablässig im Haushalt hin und her. So geht’s etwas besser und ich kann mich wenigstens ankleiden. Geistig geht’s nur langsam und mühselig vorwärts. Auch mag ich nicht mehr fahren, zu schläfrig bin ich dazu. Nach „Jogging“ geht’s mir besser. Dazu zwinge ich mich täglich.“

So berichten Patienten über ihre Hypotonie, vom Arzte auch Hypotension genannt, was ganz einfach „Unterdruck“ oder „Unterspannung“ bedeutet. Der Arzt kennt ihn im Kreislauf, in den Augen, in der Hirnflüssigkeit. Der Blutdruck wird über die Kraft des Herzens und über die Enge der feinsten Arterienverästelungen reguliert, welche wie Schleusen den Abfluss des Blutes in das unendlich feine Netz der Kapillaren regulieren. Messonden in den Kopfschlagadern  regulieren die Aktion des Herzens. Das in der Niere gebildete Hormon Renin beeinflusst zudem die Enge der Gefässe und damit den Abfluss in die Kapillaren. Erregung, Wut und „Stress“ bewirken über die Nebennierenhormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin eine Steigerung des Blutdrucks. So komplex ist der Blutdruck reguliert. Die klassisch medizinische Schule gibt uns Ärzten kaum Mittel in die Hand, die Ursache der Hypotonie zu verstehen und zu heilen. Die Empfehlungen  mehr Salz und Kaffee zu konsumieren und im Notfall Effortil oder Ergotamin anzuwenden hilft nur kurzfristig und schaden auf die Dauer der Gesundheit. Anders verstehen wir die Ursachen der Hypotonie, wenn wir die Erkenntnisse der regulativen Medizin miteinbeziehen: Das sympathische Nervensystem kennt drei grosse Ganglien. Wie vegetative „Gehirne“ steuern sie die vegetativen Funktionen unseres Körpers. Das Ganglion Stellatum reguliert den Kopf- und Oberkörperbereich, das Ganglion Zoeliakum mit dem Sonnengeflecht die Mitte des Körpers und die Organe Leber, Milz Bauchspeicheldrüse, Dünndarm und den ersten Teil des Dickdarms. Das dritte Ganglion  reguliert den Bereich des Beckens und der Beine mit den Nieren, dem Enddarm und die Geschlechtsorgane. Diese Dreiteilung finden wir in der indischen Ayurveda und in der traditionell chinesische Medizin wieder. Dies öffnet uns therapeutische Möglichkeiten. Die Hypotonie steht im Zeichen der Erschöpfung, der Energiearmut im Beckenbereich, dem untersten der drei Energiezentren. Oft besteht dort venöse Stauung und Mangel an Sauerstoff. So bildet die Niere wenig Renin zur Stützung des Blutkreislaufs und wenig Erythropoietin für die Blutbildung so dass Blutarmut zu weiterer Schwächung führt. Diese Schwäche kann konstitutionell sein oder aber die Folge von Infektionen der Nieren oder Geschlechtsorgane. Häufiger aber findet man als Ursache in Operationsnarben von Kaiserschnitt, Gebärmutterentfernung, von Blasenraffungen, von traumatischen Geburten und Dammschnitten, von Leistenbrüchen oder Prostataoperationen. Durch die Neuraltherapie lassen sich diese Narben zuverlässig entstören. Dadurch kommt die Energie in den Beckenorganen zurück und der Blutdruck bessert sich. Danach kann, wenn noch nötig, die regulative Wirkung pflanzlicher Arzneien, der klassischen Homöopathie der Akupunktur, der Neuraltherapie und ganz besonders die Wirkung wechselwarmer Wasseranwendungen eingesetzt, welche Selbsthilfe und herrliches Wohlbefinden möglich machen.

Tipp:
Das Kuhne‘sche Reibesitzbad: nach einem recht heissen Beckensitzbad setzt man sich in der Badewanne auf einen Schemel und lässt das Wasser auslaufen. Nun stellt man einen Eimer mit einem Badetuch im Innern vor seine Füsse und füllt ihn mit kaltem Wasser. Mit gespreizten Beinen auf dem Schemel sitzend, klatscht man sich mit dem nasskalten Badetuch die Innenseite der Oberschenkel und den Damm kräftig ab. Die Haut wird kräftig durchblutet, rötlich und von innen her warm. Danach lege man sich zur Ruhe. Täglich angewendet bessert sich die Hypotonie und die Schwäche von Tag zu Tag und macht neuem Wohlbefinden Platz. Ein Erlebnis, das sich lohnt.

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