Wenn einer eine Reise tut

Dr.med. Andres Bircher
Auf einer Reise in ein subtropisches oder tropisches Land wird jeder Zweite krank und zu 8 % so schwer, dass er die Ferien im Bett verbringen muss. Zu 3% kann man nach der Rückkehr nicht arbeiten. Am häufigsten ist die Reisediarrhoe.

Wo immer man hingeht, trägt die einheimische Bevölkerung andere toxinbildende Bakterien in sich und scheidet sie aus. Durch unhygienisches Verhalten gelangen Campylobacter- und ETEC-Arten, Salmonellen und Shigellen über Nahrungsmittel oder Türklinken in unseren Mund. In unserem Darm blockieren deren Toxine den Natriumrücktransport in der Darmschleimhaut und verursachen so massive, wässrige Durchfälle (sekretorische Diarrhoe) und Entzündungen. In Lateinamerika handelt es sich zu 50%, und in Asien zu 15% um ETEC Stämme, und zu 1-15% um Salmonellen, Paratyphus , Campylobakter und Shigellen-Arten. Afrika, Lateinamerika und Asien gelten als Gebiete hohen Risikos für eine Reisediarrhoe. So erkrankten auf einigen Nilkreuzfahrten bis zu 80% der Gäste und man sprach von „Pharaons Rache“. Das Mittelmeergebiet, Israel und die Karibik gelten als mittleres Risiko, mit 10-20% Erkrankungen. Aber auch auf Reisen nach Nordeuropa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan erkranken 8% der Mitteleuropäer an einer Reisediarrhoe. Meist tritt sie akut und während der ersten vier Reisetage auf, mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Oft dauert sie 4-5 Tage, selten mehr als einer Woche. Dauert sie länger oder bleiben danach Verdauungsstörungen zurück, weist dies auf Amoeben oder Lamblien hin. Am besten schützt man sich, indem man immer sorgsam die Hände wäscht, diese nicht in den Mund nimmt, nur kommerzielles Mineralwasser trinkt, viel und nur selbst geschältes, frisches Obst und an sonst nur frischgekochte Speisen zu sich nimmt. Leitungswasser soll man meiden, denn wenn es sauber ist, ist es mit Chemikalien versetzt, die neurodegenerative Krankheiten bewirken können. Hotelbuffets liegen oft lange offen. So sind deren Speisen oft kontaminiert. Gefährlicher sind Malaria, Dengue-Fieber, Gelbfieber, viel weniger gefährlich die Hepatitis A.

An Malaria sterben jährlich über eine Million Menschen, besonders ärmere Leute, welche sich die teuren Medikamente nicht leisten können. Besonders hoch ist das Risiko im mittleren Afrika, südlich der Sahara bis nördlich der Südafrikanischen Republik und in Madagaskar, denn dort überwiegt das Plasmodium falciparum, der Erreger der gefährlichen Malaria tropica. Unbehandelt kann er schwerste neurologische Komplikationen hervorrufen, wie Krämpfe und plötzliche Bewusstlosigkeit, die nicht selten zum Tode führen. Besonders gefährlich ist er für Schwangere und Kinder. Tritt in Afrika Fieber auf, mit oder ohne Durchfall, muss man immer und sofort zum Arzt. Meistens, wenn auch nicht immer, gelingt der Nachweis der Malaria durch Blutaussticht, Untersuchung des „dicken Tropfens“ und immunologische Schnelltests. Erst in zweiter Linie und nur für Afrika, empfiehlt die WHO eine chemische Malariaprophylaxe mit Atovaquon, einem Medikament, das aus Artemisin, einem sekundären Pflanzenstoff des einjährigen Beifusses Artemisia annua entwickelt wurde, kombiniert mit Proguanil. Wegen der chemischen Malariaprophylaxe sind immer mehr Plasmodien therapieresistent geworden, so dass die Medikamente im Krankheitsfall nicht mehr wirken. Auch sind deren Nebenwirkungen teils gefährlich. Die WHO empfiehlt  heute in erster Linie einen konsequenten Schutz vor Mückenstichen, durch helle, die ganze Haut bedeckende Kleider, moskitoabweisende  Mittel (Repellents wie Icaridin oder DEET), Verdampfen von Räucherspiralen („mosquito coils“), sowie Aufenthalt und Schlaf in klimatisierten, durch Fliegengitter und Moskitonetze geschützten Räumen. Man bedenke aber, dass die empfohlenen Insektizidsprays (Pyrethroide) neurodegenerative Krankheiten verursachen können. Für Lateinamerika und Asien empfiehlt die WHO heute Malariamittel lediglich mit zu nehmen („Stand-by“-Therapie). Bei jeglichem Fieber soll man immer und sofort einen Arzt aufsuchen. Impfungen werden teils empfohlen, für gewisse Länder verlangt. Noch gibt es keine Impfung gegen Malaria. Die Schutzwirkung vieler Impfungen ist wissenschaftlich ungenügend belegt und deren Potential gefährlicher Komplikationen bedeutend. Zu einer homöopathischen Malariaprophylaxe durch viermal tägliche Einnahme von China C 30 gibt es keinen Wirkungsnachweis, doch ist eine Wirksamkeit durchaus möglich. Niemals aber ersetzt sie die anderen empfohlenen Massnahmen.

Die Inhaltsstoffe frischer, selbst geschälter Früchte und Avocados schützen uns wirksam vor Infektionen. Bei keiner Mahlzeit dürfen sie fehlen. Auch schützt uns viel Schlaf, besonders vor Mitternacht. In südlichen Ländern schütze man den Kopf vor der Sonne, und die Haut durch eine geeignete Sonnenschutzkreme und trinke viel kommerziell abgefülltes Mineralwasser. Vor Wildtieren halte man sich fern und fasse streunende Tiere nicht an. In klimatisierten Hotels muss man verschwitzte Kleider sofort ablegen und durch trockene, warme Kleidung ersetzen. Es lohnt sich, eine homöopathische Reiseapotheke mitzunehmen mit Angabe der Indikationen und eine Elektrolytlösung in Tablettenform, die man bei Bedarf in Mineralwasser auflöst, mikrobiotische Bioflorinkapseln, Paracetamol als Schmerzmittel, Baldrian, so die Zeitzonen wechseln und ein Notfallverbandset: Vorkehrungen, die zu treffen sich lohnt.

Tipp:
Gegen Flugangst, Furcht in Menschenmengen, Lifts und Tunnels wirkt Argentum nitricum C200, sehr oft genommen, zuverlässig. Gegen Seekrankheit im Schiff oder Bus wirkt Cocculus C200 besser als Scopalamin und ohne dessen Nebenwirkungen.

Handbuch 4

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